Kognitionsforschung - Geruchsnavigation bei Vögeln

Vögel können an Hand von Gerüchen mit Hilfe atmosphärischer Spurenstoffe aus unbekannten Gebieten zu ihrem Heimatort zurückfinden. Forscher der Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie stellten jetzt bei Experimenten fest, dass in entfernte fremde Regionen verfrachtete Brieftauben nur dann heimwärts finden, wenn sie riechen können. Tauben mit durchtrennten Geruchsnerven fliegen zwar oft weite Strecken, nähern sich aber nicht der Heimat. Umgekehrt flogen die Tauben auch dann nicht nach Hause, als die Forscher aus ihrer Atemluft durch Aktivkohlefilter die Spurengase entfernten, kombiniert mit einer lokalen Narkose ihres Geruchssinns in der Nase. Tauben, die an einem Ort der natürlichen Umgebungsluft ausgesetzt werden und dann ohne Zugang zur natürlichen Luft an einem entgegengesetzt gelegenen Ort aufgelassen werden, fliegen so ab, als wären sie an ihrem Ursprungsort und nicht am tatsächlichen Auflassungsort. Das langfristige Abschirmen des Windes in der Heimatvoliere bewirkt bei den Tauben das völlige Versagen der Heimorientierung, ein Umlenken oder Umkehren des Windes sogar eine voraussagbare Ablenkung oder Umkehrung der Abflugrichtungen am Auflassungsort. Die Tests ergaben aber auch, dass die Vögel aus ihnen durch frühere Flüge bekannten Gebieten auch ohne Geruchsorientierung nach Hause finden können Heimfinden möglich. Vögel können also Spurengase der Atmosphäre verwerten und daraus ihre Position in Bezug zu ihrem Heimatort ableiten. Ursache dafür sind weiträumige Gradienten in den Proportionsverhältnissen zwischen verschiedenen Spurensubstanzen, deren Richtungen sich am Heimatort aus der Änderung der Proportionen in Abhängigkeit von der Windrichtung ermitteln lassen. Versuche mit Mauerseglern und Staren weisen darauf hin, dass die olfaktorische Navigation auch eine unter Wildvögeln verbreitete Fähigkeit ist, möglicherweise zum Auffinden des engeren Brut- bzw. Überwinterungsareals beim Vogelzug.  
 
Quelle: [Article] Journal fur Ornithologie. 144(1):1-32, 2003.
Autoren: Wallraff HG. 

Quelle: http://www.mpg.de/