Weibchen bevorzugen die einfallsreichsten Sänger
Bei den White-Crowned Sparrows, einer amerikanischen Sperlingsart, haben die Männchen die besten Chancen, die den neuesten Song zwitschern.
Dass Vögel singen, ist ihnen angeboren. Was sie aber zum Besten geben, ist nicht nur genetisch bedingt: Nachweislich lernen Vögel dazu und variieren nach Kräften. So haben bei kalifornischen Sperlingsdamen diejenigen Herren die größten Chancen, die den ungewöhnlichsten Song zwitschern. Schick ist nicht etwa der süßeste Liebesgesang, sondern der auffällig andere.
Oldies sind out
Gingen die Forscher bislang davon aus, dass sich weltweit das Spatzengezwitscher lediglich regional etwas unterscheidet, zeigen neuere Forschungen der Duke University in Kalifornien, dass es Generationsunterschiede bei den Vorlieben der Sperlingsdamen gibt. Die weißhäubigen Männchen müssen sich etwas einfallen lassen, um ihrer Angebeteten zu imponieren. Zwitschern sie in der Tonlage ihres Vaters oder gar Großvaters, kann es sein, dass die Braut ihnen davon fliegt.
Brillant am Ende, moderat am Anfang
Der Gesang hat sich nur in wenigen Nuancen verändert, aber auf den alten Sound von 1979 reagieren die modernen Sperlingsweibchen nicht mehr.
Herausgefunden hat dies Elizabeth Derryberry. Sie spielte den liebestrunkenen Sperlingen Gesangsaufnahmen aus den späten 70ern sowie aus dem Jahr 2003 vor. Die umworbenen Damen fanden die Oldies eindeutig langweilig, waren aber ganz aufgeregt bei der neuen Variante. Spatzendamen haben offensichtlich ein feines Gehör. Denn zwischen dem in die Jahre gekommen Gezwitscher und dem hippen Sound junger Männchen gibt es nur subtile Unterschiede: Der Oldie leitet mit einem höheren Ton ein und endet in einem schnellen Tschilpen. Die modernen Sänger starten moderater, brillieren aber gegen Ende mit einer großen Bandbreite von Tönen.
Der Nebenbuhler hört es nicht gern
Der moderne Gesangsvirtuose verführt die Vogeldamen zu neckischem Hinterteilwippen. Sie recken aufgeregt ihre Schwänze und Schnäbel und fächern einladend mit den Flügeln. Einige beginnen gleich nach den ersten Tönen des erhörten Sängers aufreizend zu tänzeln, um ihn unter ihre Fittiche zu locken.
Was dem umworbenen Weibchen imponiert, gefällt den männlichen Wettsängern weniger. Elizabeth Derryberrys Forschung zeigt, dass der neumodische Gesangsvirtuose seine Nebenbuhler heftig beunruhigt und zu hilflosem Machogebaren anstiftet.
Fahrradklingeln, Handytöne, Hühnergackern
Nachtigallen- Männchen können in einer einzigen Nacht mehrere tausend Strophen singen.
Vögel zwitschern also nicht nur in der ewig gestrigen Leier, sie lernen dazu und verändern ihre Gesänge. Auf der Suche nach neuen Klängen klauen die modernen Vogelmännchen, was ihnen nützlich erscheint. Der australische Leierschwanzvogel ist der wohl erstaunlichste Imitator im Vogelreich: Zu seinem Repertoire gehören Geräusche von Alarmanlagen, Kreissägen und Spiegelreflexkamera. Aber auch die europäischen Stare oder die Eichelhäher sind für ihren Tonklau bekannt: Sie lieben schrille Handytöne, Fahrradklingeln oder Sirenen, manche auch das Gackern von Hühnern.
Berliner Nachtigallen-Forscher an der Freien Universität haben herausgefunden, dass das Nachtigallen-Männchen während einer einzigen Nacht mehrere Tausend Strophen produzieren kann. Ein solches Lied kann mehr als 200 verschiedene Strophentypen umfassen. Wie die meisten Singvögel lernen Nachtigallen ihren Gesang während des ersten Lebensjahres von erwachsenen Tieren. Hören Vögel in dieser Zeit regelmäßig auch andere Geräusche, können sie diese in ihren Gesang einbauen.
Verführerische Frühaufsteher
Zum Glück für die weniger Begabten kommen nicht nur die virtuosen Sänger zum Zuge: Eine Untersuchung von Bart Kempenaers am Max-Planck-Institut in Andechs/Seewiesen zeigt, dass Blaumeisenweibchen gerne mit Frühaufstehern anbandeln, obwohl diese nicht anders singen als die Spätzünder. Der Erste ist in der Regel ein älteres Männchen. Offensichtlich trauen die Blaumeisendamen dem Alten mehr gesunden Nachwuchs zu.
Sprachgene wie Menschen
Neuere Forschungen haben gezeigt, dass der Vogelgesang durch individuelles Lernen erworben und entwickelt wird. Vögel besitzen ein Gen, das auch Menschen haben und das wichtig für das Sprachvermögen ist: Das sogenannte FoxP2-Gen. Es spielt auch beim Gesangslernen der Vögel eine Rolle. Constance Scharff und Sebastian Haesler vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin haben herausgefunden, dass geschädigte Fox-P2-Gene bei Vögeln in deren Gesang ähnliche Defekte erzeugen, wie man sie bei der Sprache hirngeschädigter Menschen beobachtet.
Autor: Angelika Burkhard
Quelle: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0513/001_tierfluesterer.jsp